Mathias Köchl steht kurz vor Vollendung seines Traums. Ein E-Bike, das kein Stromnetz braucht. Im Herbst geht es los mit dem Solarmobil aus Österreich.

Noch ist es in der letzten Entwicklungsphase, aber bald ist das Zweisitzer-Elektrofahrrad ohne Stromanschlussbuchse Realität. Nicht nur das. Dieses E-Bike ist eine Erfindung, die zum Nachbauen gedacht ist.

Wenig erinnert bei dieser Erfindung an Design oder Funktionsweise von bekannten E-Bikes. Das neu entwickelte Mobil ist von einem 4,8 qm großen Solardach überschirmt. In der Mitte der beiden zurück gelegten Sitze gibt es einen Steuerknüppel, der von beiden Seiten zu bedienen ist und für fair geteilten Fahrspaß sorgt. Die einzige Batterie ist ein kleiner Pufferakku, ansonsten wird das Solarmobil direkt und ausschließlich vom Himmel mit Energie versorgt.

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Im Moment arbeitet der Österreicher Mathias Köchl an der Fertigstellung des Prototypen. Auf den Straßen des Alpenlandes wird man dieses garantiert für Aufsehen sorgende Gefährt frühestens im Herbst diesen Jahres entdecken können. Gemeinsam mit einem Schlosser und einem Designer werkelt Köchl zur Zeit noch intensiv an dem Finetuning von Antrieb, Steuerung und benötigter Ausstattung.

Die Idee zu einem Transportmittel, das per Solarantrieb unterstützt wird, hatte der Politiker, der für die Grünen im Nationalrat sitzt, schon vor mehr als 15 Jahren. Für das Abschlussprojekt seiner Ausbildung zum Nachrichtentechniker hatte Köchl einen Solarscooter entwickelt. Jetzt versucht er sich an dem Zweisitzer-Rad, auch um anderen findigen Tüftlern mit ähnlichen Ideen zuvor zu kommen. Die Zeit scheint reif zu sein.

Reichweite gleich Sonnenschein plus Muskelkraft

Mit seiner Erfindung will Köchl eine ganz neue Kategorie von Transportmittel schaffen. Sein Gedanke ist ein anderer als der hinter E-Bikes steht, deren Akkus man mit Hilfe von Solarpaneelen zwischendurch mal nach laden kann. Von diesen Konstruktionen gibt es mittlerweile einige, ob mit Solarzelle als Anhänger, im Reifen oder zum Aufspannen.

„Es geht mir nicht darum, ein E-Bike mit ein paar Solarzellen nachzuladen. Ich möchte ein Fahrzeug, das bei Sonnenschein unbegrenzt weit fährt – ohne Batterie”, sagt der Entwickler.

solarmobil5Noch gibt es aber eine kleine Batterie dazu, schließlich scheint auch in den österreichischen Bergen nicht jeden Tag die Sonne. 25km/h Höchstgeschwindigkeit könnten aber immer drin sein. 1000 Watt Solarkraft mit einem Wirkungsgrad von 21 Prozent und eine Leistung des Radnabenmotors von 600 Watt sollen dafür sorgen. Und wenn mal alles ausfällt, gibt es immer noch die Pedale. Dank dieser Addition kann das Solarmobil rechtlich auch als Fahrrad eingestuft werden. Um gleiches in Deutschland zu erreichen, müsste nach heutigem Stand die Motorleistung gedrosselt werden.

E-Mobility muss sich Platz verschaffen

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Das Solarmobil ist zwei Meter breit und drei Meter lang. Das Gefährt nimmt sich damit so viel Platz wie ein kleiner Campingbus. Erfinder Mathias Köchl meint aber, dass diese Maße nötig seien, um genügend Strom erzeugen zu können. Für den Entwickler ist das auch gar kein Nachteil:

„Saubere Mobilität soll sich ihren Platz im Verkehr ruhig wortwörtlich nehmen.“

Ein E-Bike Muster für die Welt zum Nachbauen

Das Projekt ist noch lange nicht abgeschlossen. Köchl und seine Mitstreiter wollen ein grundlegendes Konzept erarbeiten, dass dann in einem open source Verfahren von Anderen weiter entwickelt werden kann. Schon jetzt zeigt sich in der Online Community reges Interesse. Auch erste Kritik am Design wurde hervorgebracht. Zum Beispiel sei das Solardach viel zu groß konzipiert. Bei Gegenwind oder höheren Geschwindigkeiten bestände die Gefahr zu stark gebremst oder gar aus der Spur gefegt zu werden.

Auch hinsichtlich Design oder bei Entscheidungen für die Verwendung bestimmter Materialien setzen die Österreicher auf die Ideen und Intelligenz des Schwarms. Mathias Köchl hat denn auch größeres im Kopf. Zur Zeit ist er im Gespräch mit den Herstellern von Einzelkomponenten. Denn er möchte das Solarmobil als Bausatz anbieten, dass er dann für ungefähr 2.500 Euro verschicken will. So könne seine Erfindung überall auf der Welt nachgebaut werden.

 

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