Stiftung Warentest/ADAC E-Bike-Test: Branche und Prüfinstitute bemängeln Testverfahren – Zusammenfassung

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Reichweitentest: Hier wird geprüft, wie lange der Akku hält / Foto: Stiftung Warentest

Nach dem verheerenden Test von Pedelecs der Stiftung Warentest (StiWa), der mit Hilfe des ADAC durchgeführt wurde, liegen jetzt zahlreiche Stellungnahmen vor. So haben sich nicht nur die von den schlechten Tests betroffenen Hersteller, sondern auch andere Prüfeinrichtungen zu Wort gemeldet. Wir haben alle Reaktionen auf den am 28.05.2013 im Heft 6.2013 veröffentlichten Test zusammengefasst.

In dem Test waren neun von 16 E-Bikes „mangelhaft“ bewertet worden, wobei Rahmen- und Lenkerbrüche neben schlechten Bremsen und elektromagnetischer Strahlung für die schlechten Ergebnisse verantwortlich waren.

Reaktionen von Prüfinstituten und Verbänden

EFBE Prüftechnik GmbH, ein unabhängiges Prüfinstitut, das mechanische Prüfungen durchführt und Prüfstände für die Fahrradindustrie entwickelt und verkauft, wirft der Stiftung „mangelnde Kompetenz“ und klägliches Scheitern vor. Insbesondere werden mit deutlichen Worten die Prüfverfahren gerügt:

„Wenn ADAC und StiWa also beschließen, nach breitem Expertenkonsens untaugliche Prüfverfahren anzuwenden, leisten sie keinen Beitrag zum Verbraucherschutz, sondern sie haben eine Black Box geschaffen, in die vorne gute E-Bikes hinein rollen, und hinten Schrott herauskommt“

schreibt der Geschäftsführer Marcus Schröder und weiter:

„Man könnte argwöhnen, dass das 2012 zum ersten Mal von der Stiftung Warentest erwirtschaftete Defizit den Verkaufsdruck erhöht.“ Die reißerische Aufmachung und die einkalkulierte tausendfache Wiedergabe durch die restliche Presse sprechen ebenfalls für diese These.

 

ExtraEnergy e.V., ein Verein, der seit 21 Jahren Pedelecs testet, urteilt:

„Leider stand Panikmache statt konkretisierter Anforderungen an die Produkte im Vordergrund. ExtraEnergy beurteilt den Test als „mangelhaft“. In Sachen Transparenz müssen Stiftung Warentest und ADAC besser werden.“

 

Dirk Zedler (Geschäftsführer des Zedler – Institut für Fahrradtechnik und –Sicherheit):

„Der Hauptmangel besteht generell darin, dass einige Prüfkriterien nicht offen gelegt werden. So können diese von den Fachleuten der Branche erst gar nicht diskutiert werden. Auch ist es den Herstellern unmöglich, nach diesen Kriterien zu prüfen, um ihre Produkte dahingehend zu verbessern. Ohne offen gelegte Prüfanforderungen ist zudem der Abgleich mit der Realität erschwert. Unterm Strich besteht meine Hauptkritik darin, dass dieses Vorgehen auch den Fortschritt und den Zuwachs an Sicherheit bei Fahrrädern erschwert.“

 

Der Zweiradindustrieverband (ZIV) stellt die Frage nach der Praxisnähe der Tests. Wenn die Tests praxisnah wären, müssten die von der Stiftung Warentest (StiWa) und vom ADAC ermittelten Schäden auch in der Praxis auftauchten. Solche Schäden spielten, so heißt es in der Pressemitteilung „nach unserem Kenntnisstand in der Praxis keine Rolle“.

Der ZIV stellt weiter fest, dass die StiWa ein Prüfverfahren für die Betriebsfestigkeitsanalyse der Bauteile anwende, das sich grundlegend von den Anforderungen und Prüfverfahren in den europäischen und internationalen Normen unterscheide. Problematisch sei hier, dass die durchgeführten Prüfungen von den Unternehmen nicht nachvollzogen werden könnten, da die Messwerte und sogenannten Lastspielzahlen durch die StiWa nicht veröffentlicht werden.

Eine Reproduzierbarkeit in anderen Testlaboren, sei deshalb nicht oder nur sehr schwierig möglich.

Reaktionen der Hersteller

Biketec AG (Flyer):

„Stiftung Warentest wertet unser Modell C5R Deluxe aufgrund eines im simulierten Dauertest gebrochenen Ausfallendes ab. Bei der Dauerprüfung, die zur Abwertung führte, simulierten die Prüfer 20.000 km Dauerfahrt unter Testkriterien, die uns trotz sofortiger Nachfrage bisher nicht zugänglich gemacht wurden.“

Im Gegenteil habe der „authentischste und intensivste FLYER-Feldtest“ dieses E-Bike Modells ganz andere Resultate gezeigt. Demnach wird das Modell seit 10 Jahren in Stückzahlen von mehreren 10.000 verkauft und zudem seit mehr als acht Jahren im harten touristischen Verleiheinsatz betrieben. „Ein Bruch des Ausfallendes“ sei dem Hersteller dabei „nicht bekannt“ geworden.

Außerdem wird darauf hingewiesen, dass einige Modelle der Flyer C-Serie mehr als 50.000 Km zurückgelegt hätten, alle Prüfprozeduren nach DIN EN-Norm erfüllten, und dass dies vom „weltweit grössten Prüfinstitut SGS“ bescheinigt wurde.

Erst vor wenigen Wochen bestätigte ein unabhängiger Langzeittest des Schweizerischen Touring Clubs (TCS) einem FLYER hohe Langzeitqualitäten mit Bestnoten in sämtlichen getesteten Kategorien. Dieser Test hebt vor allem auch die sehr hohe Performance in punkto Zuverlässigkeit und Sicherheit von FLYER hervor. Der TCS entspricht dem ADAC in Deutschland.

 

Auch die Winora Group, deren Räder Winora C2 AGT und Hercules Tourer 8 Pro zu den besten vier Rädern des Tests zählen, hat mit dem Sinus B3 ein Modell im Sortiment, das von StiWa auf Grund eines Lenkerbruchs mit „mangelhaft“ bewertet. Der Hersteller entgegnet, dass das Sinus B3 bereits seit Ende 2012 im Sortiment sei und „weder bei Servicestellen noch bei Fachhandelspartnern ein solcher Mangel bisher festgestellt“ wurde. Auch hier wurden wieder alle Lenker nach EN-Norm geprüft und entsprächen damit „den geltenden Auflagen“. Abgesehen davon hat Winora bereits erneute Tests angeordnet, um dem Lenkerbruch mit Hilfe externen Institute auf den Grund zu gehen. Auch habe man schon „ausführlichen Prüfbericht der Stiftung Warentest angefordert“.

Der ZIV stellt zudem die Frage, warum in den Testberichten widersprüchliche Ergebnisse für Bauteile zu Stande kommen, die baugleich in unterschiedlichen Produkten eingebaut wurden. Dies treffe sowohl für mechanische Teile als auch für komplette Antriebssysteme zu.

 

Derby Cycle, deren Bike Raleigh Impulse iR HS wegen erhöhter elektromagnetischer Emission von der Stiftung „abgewertet“ wurden, fügt in einer Mitteilung an ihre Händler gleich die EMV-Prüfung bei und bekräftigt, dass alle gültigen Normen eingehalten wurden. Im Übrigen seien Tests vom renommierten SLG Prüf-und Zertifizierungs GmbH durchgeführt worden.

 

Hartje, Hersteller des Modells Victoria Assen weist darauf hin, dass die Prüfergebnisse für die bemängelten Bremsen über den als Mindestverzögerungswerte in der DIN EN 14764 vorgegeben Werten lägen: (alle Angaben in m/s2):
– VR trocken: gemessen 4,6 statt DIN 3,4
– VR nass: gemessen 2,9 statt DIN 2,2
– HR trocken: gemessen 2,7 statt DIN 2,2
– HR nass: gemessen 1,9 statt DIN 1,4

Thomas Göbel, Leiter der Hartje-Pressestelle:

„Die von der Stiftung Warentest gemessenen und uns übermittelten Werte gehen über die Mindestanforderungen der DIN EN 14764 ebenfalls deutlich hinaus (VR trocken: 4,7 – nass: 3,5, HR trocken: 2,6 – nass: 2,0). Warum dies dennoch zu einer derart schlechten Bewertung führte, ist für die Hermann Hartje KG nicht nachvollziehbar“

 

KTM, dessen Modell Macina 8 mit einem Lenkerbruch durchfiel, gab an, schon seit Jahren mit anerkannten Prüfnstitutionen wie Hanse Control, Velotech und weiteren eng zusammenzuarbeiten. Der österreichische Hersteller gab an, dass der Lenker seit Jahren ohne Vorkommnisse eingesetzt würde.

„Ein makelloses Bauteil. Ein Lenker, der seit 2009 Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr in verschiedenen KTM Modellen in der Praxis verwendet wird und nicht einen Lenkerbruch aufweist.“

Video der Stiftung Warentest

httpv://www.youtube.com/watch?v=NInDU8Hl2_o

 

Art und Wortlaut sehr negativ

Nach Auffassung des ZIV sind nicht nur die Testergebnisse, sondern auch die Art und der Wortlaut der Veröffentlichung als sehr negativ anzusehen. So werde der Anschein erweckt, dass E-Bikes grundsätzlich gefährlich und unsicher seien. Komplett unberücksichtigt bleibe dabei, dass es Produkte gäbe, die den Anforderungen der StiWa entsprochen haben. Der ZIV diskutiert die Ergebnisse des Tests im Detail mit seinen Mitgliedunternehmen und wird die vielen offenen Fragen der StiWa und dem ADAC vorlegen.

Nach Zahlen des Zweirad-Industrie-Verbandes (ZIV) wurden alleine im Jahr 2012 in Deutschland rund 380.000 Pedelecs verkauft. Damit wären mehr als 1,3 Mio. E-Bikes auf deutschen Straßen unterwegs.

Antriebshersteller Bosch auch mit Statement

Der Reutlinger Antriebshersteller moniert am Artikel „Elektrofahrräder: Das Risiko fährt mit“ auf einer Pressekonferenz getätigten, kritische Aussagen zur Transportsicherheit von Bosch-Akkus. Stiftung Warentest schrieb hier:

„Für den Radler resultiert daraus keine unmittelbare Gefahr.“

Jedoch würden die 11-Amperestunden-Akkus von Bosch nicht die Kurzschlussprüfung erfüllen, wie sie in der UN-Anforderung zur Transportsicherheit gefordert sei. BOSCH entgegnet:

„Die UN-Anforderungen werden von Bosch erfüllt. Alle unsere Akku-Einzelzellen und Akku-Packs werden von unseren Lieferanten, von unseren eigenen Labors und von externen Instituten getestet und mit Zertifikaten bestätigt. Zudem schützt die integrierte Batterie-Elektronik den Akku-Pack vor extern angelegten Kurzschlüssen.“

Auch hier wird wieder mangelnde Transparenz bemängelt:

„Stiftung Warentest hat uns bisher keinerlei Einblick in den Aufbau und die Durchführung ihrer Tests gegeben. Bosch weist die getätigten Aussagen zurück und wird die Stiftung auffordern ihre Tests offenzulegen, um den Sachverhalt schnellstmöglich aufzuklären.“

 

1 KOMMENTAR

  1. Die Branche mussich sich schon höchste Kritik gefallen lassen bei den total überhöhten Preisen. Diese Banche müsste belang werden wegen
    Verbraucher _ Abzocke
    Ich habe einige bekannte Marken 2 Tage Probe gefahren, da kann ich nur sagen „mangelhaft“
    Ich habe jetzt ein Ebike gefunden zum halben Preis mit Bosch und Nuvincy
    Schaltung, stufenlos meine Note gut -. Das minus für den Boschmotor
    Der den Drucksensor fest eingestellt hat,,anstatt variabel für ältere Fahrer

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