E-MTB als Alltagsheld: XD2 Urban e-Bike im Test

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Breite Reifen, breiter Lenker und ein Bosch Performance CX Motor – das XD2 Urban ist ein eMTB, das sich im Alltagstest auch in der Stadt beweist.

Zurück im idyllischen Biesenthal, wo die HNF-NICOLAI Zentrale sitzt. Von dort organisiert das Team die mobilen Servicewagen, die die e-Bikes der Manufaktur allen Interessierten zur Probefahrt nach Hause bringt.

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Bei der Übernahme des XD2 bekomme ich mit einem Lächeln gesagt: „Das XD2 musst du gar nicht testen, davon sind ohnehin alle begeistert”. Das wollen wir dann mal sehen und selbst erfahren, was den Leuten an diesem, mit dem Zusatz urban versehenen 25 km/h e-Bike so gefällt.

Also auf nach Berlin für den Langstrecken-Test über Stock, Stein und Asphalt.

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Unterschiede zwischen dem XD1 und dem XD2 Urban e-Bike

Gegenüber seinem Vorgänger, dem weiter erhältlichen XD1, unterscheidet sich das Rad vor allem durch den integrierten Akku und einen etwas verlängerten Radstand. Farblich ist es dezent in Schwarz gehalten. Aber als auffällige Alternative ist es auch in kräftigem Rot zu bekommen.

Der Rahmen ist ein Hingucker, er wirkt edel und futuristisch. Geprägt ist er durch die optisch in einer Linie verlaufende Strebe des Oberrohrs – vom Lenker bis zum Hinterrad. Außerdem auffällig sind die dicken Reifen, die dem Rad einen wuchtigen und stabilen Ausdruck verleihen. Weitere Merkmale sind der scheinbar fehlende Gepäckträger und der auffällig nach oben gedrehte Bosch Performance CX Motor.

Individuelle Ausstattung

Als Besonderheit ist unser Testrad mit einem am hinteren Schutzblech befestigten Faltschloss versehen. Diese Variante ist natürlich komfortabel. Genau wie die hier eingesetzte Federsattelstütze. In Sachen technischer Ausstattung ist ebenfalls ein Highlight verbaut: Das XD2 Urban läuft mit der Nabenschaltung von Rohloff, in der seit 2017 erhältlichen elektronischen Variante.

Bei näherem Hinsehen fällt dann der Riemenantrieb auf, außerdem die am hinteren Schutzblech erkennbaren Streben zum Anbringen des Gepäcks und die einstellbare Federgabel von Rockshox.

Einstellmöglichkeiten und erster Eindruck

Sofort ist klar: Mit dem XD2 Urban ist man auf alle Untergründe vorbereitet. Mit den dicken Reifen und der in Dämpfungsgrad einstellbaren Rockshox Federgabel ist komfortables und sicheres Fahren auch bei Unebenheiten und Schlägen möglich. Die Gabel lässt sich oberhalb des rechten Holms leicht individuell einstellen und blockieren.

Der breite Lenker ist nach dem SD1 zunächst gewöhnungsbedürftig. In unebenem Gelände vermittelt er aber ein sicheres und gutes Lenkgefühl. Die Griffe für die hydraulischen Scheibenbremsen lassen sich hervorragend bedienen. Die Bremsen greifen in allen Fahrsituationen gut und lassen sich dennoch gut dosieren.

Da man sich bei HNF konsequent von der Kette als Kraftübertragung verabschiedet hat, überträgt auch beim XD2 ein Riemen die Kraft von den Pedalen auf das Hinterrad. Geschmeidig und leise ist so die Kraftübertragung, vor allem aber langlebig. Denn die Laufleistung von einem Riemen wird von HNF-NICOLAI als viermal länger als die einer gut gepflegten Stahlkette angegeben.

Schaltung

Gleich zu Beginn der Fahrt widmen wir uns den Besonderheiten der Rohloff Nabenschaltung. Diese als E-14 bezeichnete Variante ist aktuell nur in Verbindung mit dem Bosch Intuvia Display verfügbar. An diesem liest man den aktuell eingelegten Gang ab.

Geschaltet wird über zwei Tasten an der rechten Lenkerseite. Kurz drücken: Der nächste Gang wird eingelegt. Länger drücken: Die Schaltung springt über drei Gänge. Als „Singleshift” und ”Multishift” werden die beiden Schaltvarianten bezeichnet. Sehr sinnvoll und komfortabel, fällt doch bei 14 Gängen und einer Spreizung von über 500% sonst viel Schaltarbeit an.

Das Schalten ist durch die elektrische Variante auch unter Last möglich. Bei jedem Schaltvorgang unterbricht der Motor dazu für einen Wimpernschlag die Last und springt dann mit hörbarer, aber kaum spürbarer Unterbrechung in den nächsten Gang.

Auto-Downshift mit der Rohloff Schaltung

Eine weitere Besonderheit bei der E-14: Man kann seinen persönlichen Anfahrtsgang einstellen. In diesen wird automatisch geschaltet, sobald man mit dem Rad zum Stillstand kommt. Der als „Auto-Downshift” bezeichnete Vorgang ist sehr komfortabel, besonders beim häufigen Anfahren im Stadtverkehr. Der sechste Gang wird schließlich als geeigneter Anfahrtsgang eingestellt. Für das Anfahren an steilen Bergen und mit viel Gepäck kann man also noch reichlich nach unten schalten.

Fahreindruck

Man sitzt sehr bequem auf dem XD2, allerdings recht gestreckt. Wer dies ändern möchte, kann ab Werk einen verstellbaren Vorbau wählen. Der Motor unterstützt das eigene Treten bei Bedarf von dezent bis sehr kräftig. In der höchsten Stufe kommt man so schnell auf die 25 km/h, dass man mit dem Schalten kaum hinterherkommt.

Power ist ausreichend vorhanden, bald gewöhnt man sich eine eher gemütliche Fahrweise an. Fährt mehr mit den mittleren Unterstützungsstufen. Dies sorgt für sparsame Fahrt und ist vollkommen ausreichend, um zügig voranzukommen. Die Unterstützungsstufen schaltet man bequem über die links befindlichen Tasten. Ablesen lassen sich alle Zustände, einschließlich des eingelegten Gangs, über das mittig angebrachte Display.

Zusammenarbeit von Schaltung und Antrieb

Schaltung und Motor harmonisieren sehr gut miteinander. Durch die Schaltunterbrechungen kann man intuitiv und bequem schalten, muss beim Treten keine Rücksicht auf den eingelegten Gang nehmen.

Welche Kraft in dem Motor steckt, wird an starken Steigungen deutlich, wenn der Antrieb gefordert ist. Ohne Mühe, und mit nur etwas lauterem Antriebsgeräusch, wird man nach oben gezogen. Deutlich ist spürbar, dass der Bosch Performance CX Motor vor allem in e-Mountain Bikes eingesetzt wird. Das Motorgeräusch ist bei hoher Leistung hörbar, dabei aber nie unangenehm oder laut.

Gepäck, Transport und Akku laden

Das XD2 hat genügend Kraft und die geeignete Schaltung für zusätzliches Gepäck. Die Möglichkeit einen Anhänger zu ziehen oder Kindersitze anzubringen, ist in der Anleitung extra erwähnt. Um Rücksprache mit dem HNF-NICOLAI Service wird dabei aber gebeten, eine generelle Freigabe gibt es nicht.

Mit der Wingee Schutzblech-Gepäckträger Kombi kann man 2×8 kg transportieren. Das reicht für Einkäufe, aber auch für e-Bike Touren übers Wochenende. Der dezente Gepäckträger erwies sich im Test als sehr praktisch. Leicht können daran passende Taschen eingehängt und wieder abgenommen werden. Meine 6 kg Gepäck waren beim Fahren praktisch nicht zu spüren.

Der integrierte 500 Wh Akku lässt sich am Rad, aber auch außerhalb laden. Ist das Akkuschloss geöffnet, ist er leicht nach unten entnehmbar. Eine Sicherung sorgt beim Öffnen dafür, dass er nicht ungewollt herausfällt. Der Akku brachte mich mit noch 20% Restkapazität über mindestens 80 km, bei meist mittlerer bis hoher Unterstützungsstufe.

Vergleich zwischen Rohloff Nabenschaltung und NuVinci:

    Wir sind beide für das XD2 verfügbare Varianten gefahren. Die Rohloff E-14 ausgiebig, die NuVinci dagegen nur einige Kilometer. Die Rohloff ist aktuell nur mit dem Bosch Intuvia kombinierbar, das besondere ist ihre riesige Spannweite von über 500%. Die NuVinci punktet dagegen mit einem bequemen Drehgriff, über den sich schnell und stufenlos die richtige Übersetzung wählen lässt. Als Bedieneinheit findet dabei das dezente Purion Display Verwendung.

Wofür ist das XD2 Urban besonders geeignet?

  • für tägliches Pendeln
  • für lange und flache Strecken
  • für steile und sehr steile Anstiege
  • dank komfortabler Federung und breiten Reifen für jeden Untergrund
  • für Fahrten innerhalb und außerhalb der Stadt
  • zum Einkaufen, für Tagestouren

Für welche Anwendung ist es weniger geeignet?

  • für häufiges Heben und Transportieren

Was besonders gefallen hat

  • sehr schickes Design
  • kräftiger Antrieb
  • gute Federung
  • kräftige und gut dosierbare Bremsen
  • praktischer Wingee Gepäckträger
  • gemeinsamer Schlüssel für Akku und Faltschloss
  • ausführliche, anschauliche, deutsche Bedienungsanleitung

Was weniger gefallen hat

    • etwas kurzes Schutzblech vorne
    • Rücklicht sehr niedrig angebracht

Technische Daten

  • Hersteller: HNF-NICOLAI
  • Modell: XD2 Urban
  • Preis: € 3.990,- Euro
  • Farben: Schwarz, erhältlich auch in kräftigem Rot
  • Rahmen: Aluminium
  • Gewicht: 25,7 kg
  • Gewicht Akku: 2,8 kg
  • Zulässiges Gesamtgewicht: 125 kg
  • Motor und Antrieb: Bosch Performance CX 25
  • Bedienteil: Bosch Intuvia (Standard: Purion)
  • Akku: Bosch PowerTube 500 Wh, Ladezeit (lt. Anleitung) 4,5 Std
  • Schaltung: Rohloff E14 (Standard:NuVinci N380SE)
  • Bremsen: Magura MT4, 180 mm
  • Federgabel: RockShox Recon Gold RL 120
  • Sattel: Selle Royal Essenza Moderate Men
  • Beleuchtung: Supernova E-Bike V521s, Supernova E3 Tail light
  • Anbauten: Wingee Gepäckträger, jede Seite mit max. 8kg Zuladung
  • Sonderausstattung: Federsattelstütze Thudbuster LT 31,6 Cane Creek, Fahrradschloss Abus Bordo

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Fazit

Das XD2 Urban e-Bike kann wirklich begeistern. Es ist ein schickes, auch für den täglichen Einsatz als Pendler-Rad hervorragend geeignetes, e-Bike. Sehr hochwertige Komponenten an allen Stellen sorgen für eine bequeme und sorgenfreie Fahrt über viele tausend Kilometer. Zusammen mit der komfortablen Federung und den breiten Reifen fühlt man sich auf allen Untergründen und auch bei Regen sicher. Mit dem kräftigen Motor und dem großen Akku lassen sich auch große Steigungen überwinden, ohne dabei ins Schwitzen zu geraten.

Zur Wahl stehen zwei gut abgestimmte und moderne Schaltungen, die man je nach Anforderung aussucht. Für große Steigungen bietet sich die Rohloff E-14 mit der extrem großen Übersetzungsbreite an. Etwas komfortabler für normale Strecken, und mit etwas geringerer Übersetzungsbreite, ist die stufenlose NuVinci Schaltung.

 

3 KOMMENTARE

  1. Ihr Bericht hat mir gefallen, ich habe jedoch die Angabe der Reifen, ob diese pannensicher sind und wenn nicht, ob pannensichere Reifen angebracht werden können, vermisst. Ebenfalls ob eine Schiebehilfe vorhanden ist oder diese evtl. nachgerüstet werden kann.

  2. 80 km. ist mir persönlich zu wenig den nach jedem Jahr wird die Entfernung weniger und der Rahmen ist etwas für junge Menschen und somit nicht für alle geeignet.

  3. Das zulässige Gesamtgewicht stimmt nicht. Es beträgt 150 kg bei einem Radgewicht von 25,7 kg.

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