Senkrechtstarter: Velomobil Podbike aus Norwegen kommt 2018

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Velomobil Podbike Detail 34 front

Das norwegische Velomobil Podbike hat vier Räder, ein Verdeck, stellt sich aufs Hinterteil und gilt als Pedelec. Im April ist es in Deutschland zu erleben.

Das Podbike ist das Ergebnis der Forschung und Entwicklungsarbeit von Per Hassel Sørensen. Sein Velomobil Projekt tritt an, heutige Probleme wie Luftverschmutzung, Platzprobleme und menschlichen Bewegungsmangel in einem Fahrzeug zu lösen. Hierfür bietet das vierrädrige Mobil eine sichere, wetterunabhängige, schnelle und wendige, mit Muskelkraft und E-Unterstützung betriebene Alternative an.

Die Alternative für nördliche Bedürfnisse

Wie Fahrräder oder e-Bikes hält das Podbike Velomobil den CO2-Abdruck niedrig und ist einfach zu bedienen. Aber anders als bei diesen ist man im hier durch einer Außenhülle vor Wind, Regen und Aufprallschäden geschützt. Durch seine vier Räder ist es stabil. Dazu sorgen Blinker und Überrollbügel für Sicherheit. Der EU Pedelec-Normen entsprechende Antrieb steckt in den Hinterrädern. Getriebe oder Kette braucht es nicht. Elektronische Steuerung und die Verbindung zu dem mit den Füßen betriebenen Generator vorne machen es möglich.

Von der Uni auf die Straße

Das ganze Gefährt ist aus wiederverwertbaren Materialien und soll im Selbstbau zu montieren sein. Erdacht hat sich das Gründer und Entwickler  Per Kassel Sørensen. Er arbeitet seit mehreren Jahren an dem Projekt. Nachdem er früh die Freude am Fahrradfahren kennen gelernt hat, beschäftigte er sich in seinem Musterstudium mit mehrspurigen Elektro-Leichtfahrzeugen. Nach Gründung einer Firma gemeinsam mit seiner Frau, die sich um die geschäftliche Seite kümmert, und einer Zusammenarbeit mit einem Designbüro, sind die ersten Prototypen fahrbereit.

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Zur Zeit gibt es zwei fertige Podbikes, im Laufe dieses Quartals kommen zehn weitere hinzu. Im April stellt sich das Podbike auf der Spezialradmesse Spezi in Germersheim am 28. und 29. April vor. Dort wird das Podbike nicht das einzige Velomobil sein, aber eins mit interessanten Ideen.

Podbike – Velomobil mit zwei Antrieben und Pedelec-Zulassung

Für das PodBike haben die Konstrukteure ihr Augenmerk auf bestimmte Eigenschaften gelegt, die vorhanden sein müssen, um ein LEV zu einer echten Alternative für den modernen Alltagsverkehr zu machen. Darunter fällt Allwettertauglichkeit, intelligentes Energiemanagement und eine praktische Abstellmöglichkeit. Durch sein spezielles Design macht das Velomobil alle drei möglich.

Ebenfalls wichtig war der Fokus auf Praxistauglichkeit, bei gleichzeitig hoher Sicherheit wie einfacher Handhabung. Heraus gekommen ist ein Velomobil, das unter den EU Richtlinien als Pedelec gilt, und dank Dach auch in nördlichen Regionen das ganze Jahr zur Verfügung steht.

Durchdachte Technik für neue Ziele

Einfacher Ein- und Ausstieg

Das Ein- und Aussteigen ist simpel, weil sich die Verschalung komplett aufklappt und gleichzeitig der Sitz nach oben kommt. Durch spezielle Federung für die Hinterachse bleiben die Räder am Boden, während das Sitzgestell hoch gedrückt wird.

 

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Größe, Gewicht und Zuladung

Die Kabine ist groß genug für Gepäck oder einen Kindersitz für Kinder bis sechs Jahre beziehungsweise unter 25 kg. Über einen optionalen Trailer-Haken kann noch eine Anhänger mitgenommen werden. Fahren dort zwei Kinder mit, lassen sich also insgesamt drei Kinder auf einer Fahrt mitnehmen.

Das Gefährt ist insgesamt 240 cm lang, 79,9 cm breit und 110 cm hoch und wiegt 55 kg bis 65 kg, je nach Anbauten. Das maximale Gesamtgewicht liegt bei 200 kg.

Geeignet ist das Mobil für Menschen mit Körpergrößen zwischen 150 cm und 198 cm. Für die individuelle Anpassung lassen sich die Position des Tretgenerators, die Lage des Sitzes sowie die Höhe des Lenker mit wenigen Handgriffen einstellen.

Umweltschutz und Platzprobleme

Besonders wichtig ist den Machern, dass ihr Podbike im Vergleich zu Autos, herkömmlichen oder mit Hybrid-Antrieb, einen 40-fach kleineren Energieverbrauch bei Herstellung und Nutzung haben. Sie brauchen weniger Platz und sind deutlich leiser.

Für das Parkproblem wurde ebenfalls eine Lösung gefunden: Eine Zelt-Garage, in die bis zu vier PodBikes passen — senkrecht. Dazu stellt sich das Mobil automatisch gesteuert auf sein hinteres Ende. So nimmt es im Ruhezustand den wenigsten Platz weg. Auf dem Dach des Zeltes sind Solarpaneele, über die erneuerbare Energie direkt zurück in das Batteriesystem.

Fahrkomfort und Wendigkeit

Mit seinen vier Rädern und Federung ist das LEV für unterschiedliche Untergrundbeschaffenheit gerüstet.

Die Größe des Wendekreises spielt eine wichtige Rolle für die Manövrierbarkeit im dichten Stadtverkehr. Damit dieser gering bleibt, ohne dass es auf Kosten der Kurvenstabilität geht, haben die Macher das PodBike dahin gehend optimiert. Dazu gehört, dass es sich beim Podbike um ein Vierrad-Modell handelt. Welche Vorteile diese gegenüber dreirädrigen Velomobilen haben, hat Entwickler Per Hassel Sørensen in seiner Masterarbeit „Velomobil: redefined“, Kapitel 3 (auf der Podbike Website zu finden) ausgeführt.

Allerdings ist das Podbike aus diesem Grund auch nicht in den USA und Kanada zugelassen. Dort dürfen Velomobile nur drei Räder haben. Zusätzlich unterliegen sie von Staat zu Staat unterschiedlichen Verordnungen, so dass die Podbikes zunächst nur in Norwegen und der EU erscheinen.

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Allwettertauglichkeit

Das Podbike verfügt über ein Dach inklusive Front- und Seitenscheiben. Dadurch stellt regnerisches oder kaltes Wetter keinen Hinderungsgrund für die Nutzung dar. Gegen eine Überhitzung bei Sonnenschein hat die thermoplastische Polymer Hülle einen reflektierenden Überzug sowie einen IR-Filter. Dazu gibt es ein Belüftungssystem. Wenn das nicht hinterher kommt, kann das Podride auch mit leicht oder ganz geöffnetem Verdeck gefahren werden.

In überarbeiteten Modellen kommt zum existierenden Ventilationssystem noch eine Hitzeregulierung gegen beschlagene Scheiben hinzu.

Wenig Widerstand

Durch die spezielle Form der Hülle bleibt die Windanfälligkeit gering. Dazu rollt das Mobil auf schmalen Reifen, die die rund 60 kg Eigengewicht (plus Ladung) tragen. Laut Herstellerangaben liegt der Maximalwert für Luft- und Rollwiderstand bei unter 100 W bei 30 Km/h, vergleichbar mit dem beim Rennradfahren.

Sicherheit

Durch die Außenhülle sind die Insassen nicht nur vor schlechtem Wetter geschützt, sie erhalten einen rundum Aufprallschutz. Dazu schafft der integrierte Überrollbügel, so zeigen es die Entwürfe, eine sichere Kabine, deren Verdeck geschlossen und offen genutzt werden kann.

Mittels des helles Front- und Rücklichts und Richtungsanzeigern über jedem der vier Räder, kann der umgebende Verkehr die Fahrt des Mobils bei jeden Lichtverhältnissen erkennen.

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Platzsparendes Parken

Platzmangel ist eines der großen Probleme in den Innenstädten. Daher verfügt das PodBike über ein besonderes Feature. Zum Abstellen steht es sich senkrecht auf sein hinteres Ende. Ein Umstand, der nur durch die Leichtbautechnik und elektronische Federsteuerung möglich ist – für Autos kaum denkbar. Für das Podbike gibt es zusätzlich eine passende Parkgarage mit Solardach zum Akku Nachladen.

Unterstützung durch Elektromotor

Das Podbike verfügt über einen 250 W E-Antrieb, der aus zwei Nabenmotoren besteht, die an den beiden hinteren Rädern angebracht sind. Durch die eingestellte Leistungsgrenze, weil Unterstützung nur bis 25 km/h und nur solange getreten wird aktiviert ist, erhält es in der EU die Zulassung als Pedelec gemäß der Norm EN 15194. Daher sind für die Nutzung weder Führerschein noch Versicherung nötig.

Die maximale Höchstgeschwindigkeit (ohne Unterstützung) ist mit 60 km/h angegeben. Der Akku hat Kapazität für 60 km. Aber laut Podbike lassen sich noch zwei zusätzliche Batterien einsetzen und so 180 km an maximaler Reichweite aus einer Ladung raus holen.

Direktantrieb erlaubt Rückwärtsfahrt

Auf Kette oder Gangschaltung verzichtet das Podbike. Hier sorgen die menschlichen Füße im elektronisch gesteuerten Zusammenspiel mit dem E-Antrieb für angemessenes Tempo. Hinten sorgen allein die Nabenmotoren für Vorschub, vorne tritt man in die Pedale, die den Generator bedienen. Dadurch kann eine gleichmäßige Trittfrequenz erreicht werden, die das Fahren erleichtert. Beim Bremsen sammelt das System ebenfalls Energie auf, so dass eine eingebaute Reichweitenverlängerung an Board ist.

Als „Fixie“ kann sich das Velomobil außerdem auch rückwärts bewegen.

Einfache Montage

Aufgrund des durchdachten Aufbaus ist dieses Velomobil einfach herzustellen, und eignet sich dadurch auch für eine Massenproduktion. Es wird in Einzelteilen verschickt, die am Aufbauort vom Nutzer zusammen gefügt werden sollen – ähnlich dem Ikea Konzept. Alle Teile sind Recycling-fähig.

Vorstellung des PodBike im April in Deutschland

Am 28. und 29. April gibt es eine Vorstellung des Podbikes auf der Spezialradmesse Spezi, bei der sich das Velomobil genauer unter die Lupe nehmen lässt.

Der offizielle Erscheinungstermin und Verkaufsstart ist mit Ende 2018/ Start 2019 angegeben. Allerdings erstmal nur in Norwegen. Die Zulassung und Kaufmöglichkeit die EU-Länder dauert noch ein Jahr länger. Wir informieren, wenn ein Update zur Verfügung steht.

Wer sich für ein Podbike interessiert, kann schon jetzt Vorbestellungen über ein Webformular einreichen. Durch die Zahlung der Vorauskasse von 300 Euro signalisiert man die Unterstützung für das Projekt. Auch höhere Summen sind als Anzahlung möglich. Dafür gibt es dann einen entsprechend hohen Rabatt auf den Endpreis. Dieser liegt bei voraussichtlich 4.500 Euro, zuzüglich Steuer und Versandkosten.

Podbike im Video

Alle Fotos und Video: Podbike/www.podbike.com

10 KOMMENTARE

  1. Hallo
    Was für mich das wichtigste wäre : Komfort wie beim Auto . Also behaglich warm auch bei 30 Grad minus in Canada. Vorheizbar per app von Zuhause.Sonst für mich absolut uninteressant , da ich auch Fahrrad fahren kann.

  2. Leider sieht man nicht, wie es senkrecht parkt. Ein Problem sehe ich darin, w o es fährt und parkt. Fahrradwege sind dafür wohl zu schmal. Also doch kein Pedelec?

  3. Super Kiste
    Würde mich ernsthaft für das vorgestellte Podbike interessiern. Ist echt gut durchdacht.
    In Deutschland könnte auch eine versicherte Version mit 45 Km/h interessant sein. Eine Drosselung auf 25 Km/h für Wald und Flur Wege wäre sicherlich auch denkbar. Wünsche einen guten Start im April in Norwegen. Gruß Rollido, Chrishelm

  4. Wer wirklich + oft Fahrrad fährt, weiß, dass man seine Körpertemperatur durch ±Pedalieren im Winter ganz gut selbst regulieren kann. Eine Heizung braucht man daher nur, wenn man (körperlich) „nichts“ tut, wie beim Sitzen im Auto oder im Büro – es reicht dazu nur ein ganz klein wenig „Sport“, und nach 1-2 Minuten „Pedalaktivierung“ ist man gesund-warm (und nicht krank-kalt)… Dazu: gerade solch ein Wind- und Wetterschutz wie bei diesem Podride (oder auch dem hier schon mehrmals geposteten „Podride“ 😉 hält ja das „Schlimmste“ der Wetter-Einwirkungen auf den Menschen in der modernen, zukunftsfähigen Mobilität ab: den eisigen Wind im Gesicht, am Kopf und an den Händen, der dem Körper die meiste Wärme entzieht. Zudem der auch noch einen Regenschutz darstellt (=Verdunstungskälte der Nässe verhindert)…

  5. Das ist ein wirklich interessantes Konzept. Mich würde es aber nur reizen, wenn es mindestens S-Pedelec-Geschwindigkeiten von bis zu 45 km/h erreicht. Sonst wäre es keine wirkliche Alternative zum normalen Pedelecfahren. Es müsste dann aufgrund der Breite vornehmlich auf der Straße fahren dürfen. Wie sieht es denn in diesem Bereich mit dem Podbike aus?

  6. Hallo,
    das Podride ist die perfekte Form der zukünftigen Mobilität.
    Wer schon für das Autofahren eine App zum Vorheizen benötigt, hat die aktuelle Problematik der Mobilität leider nicht verstanden.
    Grüße an alle die ein wenig mitdenken.
    Thorsten K.

  7. Das Velotilt sagt mir mehr zu wird aber wohl leider in 2 Jahren noch nicht markt reif sein. Beim Velotilt wird ja sehr auf die Aerodynamik geachtet bei diesem Rad anscheinend eher auf Compfort und Nitzerfreundlichkeit. Der Preis ist beeindruckend wenn er denn so stimmt. Eine 45kmh Version wäre bestimmt sinvoll um dem kleinen Stadauto Konkurenz zu bieten. Vielleicht ist man aner mit der 25kmh Version in der Stadt sogar schneller wenn man die Radwege nutzen kann und so den Stau umfähren kann.

  8. Sehr interessantes Konzept. Vorallem ebend auch für ältere Fahrer/innen wie mich. Ich trau mich auf kein Pedelec weil ich mich mal mit einem hingelegt habe. Suche aber schon sehr lange eine Alternative zum normalen Fahrrad. Sehe mir immer wieder auch die Dreiräder an, da wäre so ein Rad wirklich was anderes. Der einzige Nachteil, es in einem Mehrfamilienhaus in den Keller zu schleppen, denn eine Garage kann man da schlecht hinstellen. Aber wo ein Wille auch ein Weg. Ich werde das weiter beobachten und da wir darüber nachdenken das Auto abzuschaffen, warum nicht.

  9. ja theoretisch das perfekte Velomobil, allerdings aufgrund meiner leidvollen Erfahrungen mit Velomobil-Hauben und allem wo man durchsehen können sollte, glaube ich da nicht recht dran… sonst hätte ich sofort eines bestellt. Fahre meine Velomobile grundsätzlich nur noch offen, egal ob es regnet, hagelt schneit oder was auch immer… alles besser als die gefährliche Beschlagproblematik. Und das bisschen Kopf kann man ja gut schützen mit den richtigen Bedeckungen. Kann man darüber schon etwas sagen, wie verhält sich das bei Regen, wohin geht der Schweiß, was ist bei Kälte… wenn die Kuppel sichtmäßig zu ist, dann viel Spaß… und ja auf eine Heizung kann man gut verzichten, ich denke, da ist im Sommer eher das Gegenteil notwendig, da wird man eingehen wie eine Primel…… aber trotz allem, drücke dem Ding die Daumen, das ist m.E. endlich mal ein gescheiter Ansatz…..

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