Stefan Schlie führt eMTB Modus Test Tour Foto_Johannes Futter

Bei der Preview der Bosch eBike Neuheiten 2018 ergab sich auf einer geführten Tour ins Gelände die Chance zum eMTB Modus Test.

Bei der Sneak Preview von Bosch Nahe Reutlingen konnte ich den neuen eMTB Modus im Gelände testen. Denn nachmittags führte e-MTB Profi, Entwickler und Tester Stefan Schlie eine Tour in einen bewaldeten Höhenzug an, der in der Nähe des Industriegeländes beginnt.

Dort sind wir schwierige Stellen – z.B. Kaltstart auf dem Schotterweg, steile Passagen im Wald – jeweils auf mehrere Arten angefahren. Einmal im Tour Modus, einmal im Turbo Modus und dann mit dem neuen eMTB Unterstützungslevel. Die Effekte des neuen Modus waren für alle Mitfahrenden in der Gruppe deutlich.

Was der eMTB Modus kann

Mit dem ab Juli 2017 verfügbaren Software-Update verschwindet die “Sport” Unterstützungsstufe. Statt dessen erscheint der eMTB Modus im Display. Wählt man diese Einstellung, steuert der Motor Tretkraftsenso-gesteuert seine Kraft zu. Je nach dem, wie viel Druck auf das Pedal kommt, gibt der Antrieb mindestens 120% und bis zu 300% an Extra-Power dazu. Denn um den schnell wechselnden Anforderungen im Gelände besser angehen zu können, enthält das eMTB Level auch die Unterstützungsmerkmale der Tour und Turbo Einstellungen.

Maximal stehen daher 75 Nm Drehmoment zur Verfügung, wie sie sonst nur im höchsten Modus abrufbar sind. Durch die große Bandbreite, auf die der eMTB Modus automatisch zurück greift, muss man nicht mehr zwischen Tour, Sport und Turbo wechseln. Dies verspricht nicht nur eine exaktere, schnellere Ansprache, sondern ermöglicht die Konzentration aufs Fahren.

eMTB Modus Präsentation am Stand

Anfahren auf losem Grund am Hang

Ein erster Test, ob und wie gut sich der Performance CX im eMTB Modus an die jeweiligen Anforderungen anpasst, fand auf lockerem Grund statt. An einer Steigung, mit vielleicht 7-8 % Gefälle, hielten wir an einem Schotterweg und sollten dort starten, im kleinsten Gang. Wo bisher zum Anfahren eher nur die Tour Stufe gewählt wurde, um ein Durchdrehen oder Wegrutschen zu vermeiden, kann nun dosiert Stoff gegeben werden. Die volle Kraft des Turbo ist beim Start unter diesen Bedingungen zuviel für die Traktion, aber fürs rasche Loskommen eigentlich gewünscht.

Im Vergleich zu den Nachbar-Stufen war der eMTB Modus tatsächlich um einiges hilfreicher. Beim Anfahren und Beschleunigen blieb der Reifen stabiler, mit zunehmendem Krafteinsatz kam dann die erhoffte ePower dazu. Alle in der Gruppe konnten einen sicheren wie schnellen Start hinlegen.

eMTB Modus Test: Der Kippelschritt Foto_Johannes Futter

Kletterfähigkeit und enge Kurven

Im Wald ging es auf einen nicht un-anspruchsvollen Trail. Dichter Baumstand, viele Wurzeln, enge Kurven, steile Anstiege: Hier war einiges an technischem Fahren gefordert.

An dieser Stelle sei voraus geschickt, dass meine eigenen e-Mountainbike Erfahrungen noch überschaubar sind. Aber selbst ich spürte auf dem Trail, was genau den Unterschied beim neuen eMTB Modus ausmacht. Trotz eher vorsichtigem Fahrstil konnte ich mit der Gruppe mithalten. Enge Wendungen bin ich langsam angegangen, konnte aber dann im Kurvenausgang so dynamisch beschleunigen, dass ich nie den Anschluss verlor.

Allerdings war an einer Passage im Wald auch der dynamische Modus nicht in der Lage mir zu helfen. An einer extrem steilen Anfahrt, siehe Foto oben, zeigte Stefan Schlie wie man sich per Kippelschritt hoch tricksen kann. Dabei tritt man die Pedale eine Viertelumdrehung, lässt sie wieder zurück schnellen, tritt wieder nur ein bisschen. Im kleinen, aber nicht kleinstem Gang, mit genügend Druck und vor allem einem sehr weit über den Lenker gestrecktem Oberkörper gelingt das Kletterwunder. Zumindest Stefan Schlie und zwei anderen aus unserer 6er Gruppe, mir leider nicht.

Dieses Versagen kann ich aber schlecht dem neuen System anlasten. Schließlich bleibt der eMTB Modus Teil eines Pedelec-Antriebs, der nur unterstützt, wenn auch getreten wird. Für Abschnitte wie diese braucht es wohl etwas mehr an Mut beziehungsweise Übung. Die erfahreneren e-Mountainbiker haben sich auf jeden Fall über den reaktionsschnellen Einsatz des Motors gefreut.

E-Mountainbike für Bosch eMTB Modus Test

eMTB Modus Test Fazit

Der eMTB Modus Test zeigte, wie eine neue Antriebs-Ansteuerung Fahrverhalten wie Fahrgefühl verändern kann. Durch den großen Einfluss des Pedaldrucks auf den Unterstützungsgrad entsteht eine sehr natürliche Dynamik. Beschleunige ich mit kräftigem Tritt, assistiert der Motor mit seiner maximalen Power. Gebe ich weniger Druck, hält sich auch der Antrieb zurück. Die Tretkraft-Sensoren erkennen einwandfrei, mit stark in die Pedale getreten wird.

Dennoch muss man sich – wie bei allem Neuen – erst an die veränderte Unterstützungsdynamik gewöhnen. Bei gleichmäßiger Fahrt auf ebener Straße natürlich nicht, aber bei anspruchsvolleren Passagen lohnt es, sich auf ein neues Fahrgefühl einzustellen. Denn während bei der begrenzten Sport Einstellung oft die Wahl der  Unterstützungsstufe die Fahrsituation beherrscht hat, ist es beim eMTB Modus umgekehrt. Hier passt sich der Antrieb den jeweiligen Anforderungen automatisch an und arbeitet angenehm im Hintergrund. Ergebnis ist ein Fahrgefühl, dass als e-Mountainbiking Plus beschrieben werden kann. Freier “Flow” und kontrolliertes Ausfahren schwieriger Passagen – dank breiter, dynamischer Automatik mit 75 Nm maximalem Drehmoment.

4 KOMMENTARE

  1. Ich wundere mich über die ausschließlich positiven Bewertungen des e-MTB Modus.
    Nach einer zweitägigen Testphase setze ich jetzt alle Hebel in Bewegung um den e-MTB Modus rückgängig zu machen!!
    Der Grund: Ich bin kein MTB Sportler, ich benutze mein E-BIke um mich beim Fahren unterstützen zu lassen und möchte nicht dauern powern um mir die Zusatzunterstützung zu erarbeiten.
    Beispiel:
    1) Ich fahre im Tour-Modus und möchte es mir etwas leichter machen. Also schalte ich in Sport und sofort ist die zusätzliche Kraft zu spüren.
    Mache ich das Gleiche bei aufgespieltem e-MTB Modus, so geschieht gar nichts! Erst wenn ich energischer in die Pedale trete tut sich etwas. Aber ich möchte ja gar nicht stärker treten.

    2) Ich fahre im Turbo-Modus eine steile Steigung hinauf. Schalte ich jetzt in den e-MTB Modus, so wir das Bike regelrecht abgebremst, weil ich offensichtlich nicht den erforderlichen Pedaldruck für die Turbostufe aufgebracht habe. Erst nach energischem Tritt in die Pedale schaltet das Bike dann wieder in Turbo.

    Fazit:
    E-MTB Modus gut für den sportlichen Powerbiker, der immer an der Leistungsgrenze fährt und den erforderlichen Pedaldruck liefert.
    Schlecht für den Durchschnittsbiker, der das E-Bike gekauft hat, um sich das Fahrradleben etwas leichter zu machen. Der möchte eine klar definierte Motorunterstützung abrufen können und sich diese nicht durch intensieveres Treten erkaufen müssen!!

    Alles schön und gut mit dem besseren Workflow, aber ich möchte zwar den Flow, die Work aber nicht unbedingt.

  2. Eine m.E. ehrliche und sehr interessante Antwort für den “Normalverbraucher”. Da ich mir kommende Woche ein E-Bike mit dem Bosch-CX-Motor zulegen werde, hatte ich schon mit dem neuen Modus sympathisiert, wobei ich mich zu den normalen Trekking-Fahrern (vielleicht mal ein befestigter Waldweg) auf festem Untegrund zähle. Und genau hierfür ist offensichtlich der neue Modus nicht gedacht, so dass ich mir das Softwareupdate ersparen werde. Zumindest für meine Benutzergruppe ein hilfreicher Hinweis!

  3. Es fühlte sich gut an.
    Für Schaltfaule sehr gut.

    Leider saugt es den Akku schneller leer.

    Ich hab wieder zurück gebaut.

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