Das praktische Stadtrad mit tiefem Einstieg und kleinen Rädern entpuppt sich als großes Vergnügen. Ein kräftiger Panasonic Next Generation Antrieb, stabiler Rahmen und gute Federung machen’s möglich.

Freitag, später Nachmittag, noch 15 km bis nach Hause. Die ganze Stadt ist überall mobil und auf dem Weg ins Wochenende. Die Wahl für das eBike der kommenden zwei Tage fällt auf das Flyer Flogo. Ein kompaktes Citybike mit tiefem Einstieg und kleinen, wendigen 20“ Reifen das auf den ersten Blick wie ein Klapprad aussieht. Die Teststrecke ist Stadt- und Berlin typisch abwechslungsreich. Belebte Straßen, viele Ampeln, breite und schmale Fahrradwege, immer wieder grobes Kopfsteinpflaster, sandige Parkwege, mittlere Anstiege.

Die Vorbereitung

Eine Freude ist das Einstellen der Lenkerhöhe. Mit dem einfachen und sicheren Verschlusssystem lässt sich die Höhe sehr leicht anpassen. Ein Verdrehen des Lenkers ist dabei nicht möglich und ein nerviges Hin- und Herdrehen in die richtigen Position entfällt und der Lenker kann nicht komplett herausgezogen werden sondern blockiert einfach bei der maximalen Höhe. Für den Sattel gibt es diesen großen Komfort leider noch nicht.

Will man das Rad dann zum Transportieren noch schmaler machen, kann man den Lenker nach Lösen eines Sicherungsbolzens noch um 90 Grad drehen.

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Sitzposition

Wer den aufrechten Gang auch beim Radfahren bevorzugt, weil es Hals, Rücken und die Arme schont, weil man, besonders in der Stadt so den besseren Überblick hat, sitzt auf dem Flyer genau richtig. Auch die Breite des Lenkers ist angenehm, breit genug um das kleine, wendige Vorderrad unter Kontrolle zu halten und schmal genug, um nicht an engen Stellen mit Hand und Lenker anzustoßen.

Los geht’s

Das Einschalten des Flogo geschieht durch einfaches Drücken auf die Taste an der oberen linken Kante des Displays. Dieser liegt, etwas knapp neben der zum Einschalten des batteriebetriebenen Fahrlichts. Ein Nahbedienteil mit dem man die Unterstützungsstufen direkt anwählen könnte gibt es bei dieser Displayvariante leider nicht, schade! So muss man zum Ändern der Unterstützungsstufe eine Hand vom Lenker nehmen. Die Unterstützung bleibt daher einfach auf der höchsten Stufe und das kann man bei einem Akku mit 540 Wh auch bedenkenlos tun.

(Das Flogo wird auch mit einem zentralen Display angeboten, das durch ein komfortables Nahbedienteil ergänzt ist.)

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Fahrverhalten und Federung

Auf die Frage, was wohl die beste Federung für ein Fahrrad ist – am besten vorne und hinten gefedert, oder doch nur eine Sattelfederstütze – darauf hat das Flyer eine gute und einfache Antwort. Eine Kombination aus einem bequemen Sattel, einer besonderen Sattelfederstütze und dazu ein Element, das eher selten erwähnt wird, sehr breite Reifen. Das Zusammenspiel fühlt sich an wie die natürliche Verlängerung der Wirbelsäule, die auf einem bequem gepolsterten Sessel endet. Ich vermisse, außer bei mittleren Bordsteinkanten oder Tempo 30 Schwellen keinerlei zusätzliche Radfederung. Es geht flott voran, der Antrieb greift sanft und zügig ein sobald man auch nur leicht in die Pedale tritt. Mit den hydraulischen Bremsen genügen ein bis zwei Finger um das Rad entspannt und sicher zu kontrollieren. Das Fahren mit diesem sehr beweglichen, kraftvollen Rad macht sehr viel Spaß. Die Übersetzung könnte noch ein wenig größer sein, um sich leicht auch mal jenseits der 25km/h Grenze zu bewegen. So bleibt man doch lieber bei den 25 km/h, alles darüber fühlt sich etwas hastig an. Die Geschwindigkeitsanzeige ist, GPS-geprüft, exakt wie ein Schweizer Uhrwerk.

Angekommen wird das Rad in den Hinterhof gerollt und soll in den zweiten Stock. An dieser Stelle dann die erste negative Überraschung: Das Rad ist schwer, über 25 kg sind auch für ein eBike knackig. Dazu kommt, dass man keinen guten Griff findet um das kompakte Rad anzuheben. Meine Bitte an Dritte: Das Flogo abspecken und eine Möglichkeit schaffen, um es besser anheben zu können.

Die Bildunterschrift wird in Bälde eingefügt. Sie können uns aber gern auch per E-Mail oder Telefon kontaktieren, wir helfen gerne weiter.

Ab auf’s Land

Am nächsten Tag soll es mit der Regionalbahn ins Berliner Umland gehen. Am Bahnhof angekommen geht es zwanzig Stufen runter zum Bahnsteig. Auch die Treppe runter wünscht man sich beim Tragen deutlich mehr Leichtigkeit, oder wenigstens eine Stelle an der man das Rad gut anfassen kann. Es ist mühsam und sieht nicht sehr elegant aus. Ohne Stufe geht es in den recht vollen Zug. Das kompakte Maß des Rades macht sich sofort bemerkbar. Drehen und Rangieren in dem engen Abteil ist leicht möglich, ohne dass gleich alle aus dem Weg müssen. Es findet sich noch eine Lücke, in die ein ausgewachsenes Tourenrad nicht mehr gepasst hätte. Auf dem Land geht es in der höchsten Unterstützungsstufe weiter auf Fahrradwegen, zwischen Feldern hindurch, weitere 20 km mit 25 km/h auf ebener Strecke dahin. Hier erweist sich das Flogo als absolut tauglich für längere Strecken, der Motor arbeitet angenehm gleichmäßig und ausreichend kräftig. Das Motorgeräusch ist dabei hörbar aber nicht störend. Der Rahmen bleibt auch mit beladenem Gepäckträger und in voller Fahrt sehr stabil, so dass man sich unterwegs sehr sicher fühlt.

Bis es am nächsten Tag mit der Bahn wieder zurück geht, ist auf dem Fahrrad eine gefahrene Distanz von 90 km abzulesen und die Restladung beträgt immer noch knapp 40%.

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Fazit

Was besonders gefallen hat

Die Stabilität des kompakten Rahmens und die Federung, dem Zusammenspiel von Gelsattel, Sattelfederung und den breiten Reifen. Großer Akku und große Reichweite.

Was nicht so gut war

Das hohe Gewicht und das Fehlen eines Haltegriffs zum Tragen. Das Display zu bedienen, braucht während der Fahrt eine ruhige Hand und einen, vom Verkehr ablenkenden Blick nach unten.

Was in Erinnerung bleibt

Sich auf Unebenheiten zu freuen, die von der Federung geschluckt werden. Der leise, flotte und dabei doch sanft einsetzende Antrieb. Die kompakte Abmessung und die komfortable und sichere Verstellbarkeit des Lenkers. Die Überraschung, dass ein kompaktes eBike auch auf langen Strecken so viel Spaß macht, dass man unbedingt eine längere Fahrradtour unternehmen möchte.

Daten und Infos

Rahmen: Kompakt eBike Rahmen aus Aluminium, in verfügbarer Einheitsgröße,
Schaltung: Shimano Nexus 8-Gang Nabenschaltung, Antrieb: Panasonic Mittelmotor mit seitlich montiertem Display, Akku: 540 kWh, Bremsen: Magura Hydraulikbremsen

Das Flogo gibt es in mehreren Varianten, so auch mit Rücktritt (3.01 R) und mit zwei weiteren Akkugrößen. Aktuell ist es mit dem zentral angebrachten Display mit einem Nahbedienteil erhältlich.

Ab 2016 gibt es zum Flogo auch einen faltbaren Bruder namens Flyer Pluto.

7 KOMMENTARE

  1. “das Fehlen eines Haltegriffs zum Tragen”, Anmerkung zu Beitrag Flyer s.o.:
    Zu diesem Thema habe ich seit Jahren geeignete Firmen (u.a. auch die Fa. Pletscher, Schweiz) um eine marktreife Konstruktion angeschrieben mit eigenen Vorschlägen, die alle aus unsinnigen Gründen nicht realisiert wurden. (Gründe wie: kein Bedarf, chinesische Partner schwer zu finden, Angst vor Fehlinvestitionen usw.) Wer als Älterer ein E-bike mit 25 kg über die Kellertreppe ziehen muss kennt das Problem. Selbst mein Beitrag im Pedelec-Forum (glaube im vorigen Jahr oder davor) brachten nur dämliche Kommentare. Es handelt sich mit diesem Problem um eine echte “Blindheit der Fachwelt” (Patentdeutsch!). Das betrifft alle Hersteller von Pedelecs/E-Bikes)! Der Tragegriff sollte am Sitzrohr klappbar, justierbar in der Anstellhöhe sein, mit Griffmulde, aus Spritzguss ALU und 4 Schrauben bestehen. Analoge Konstruktionen gibt es z.B. beim Tauchflaschenhalter. Ich frage mich natürlich, wo da das Problem ist, wenn sonst auch viel Unsinn für den Markt produziert wird .

  2. Habe mir im Mai ein Fleyer Flogo R zugelegt. Kann nur zu gut bestätigen das es sich ohne einen geeigneten Haltegriff schlecht aus dem Keller schleppen lässt. Es ist doch wohl keine technische Meisterleistung dafür
    eine geeignete Halterung zu bauen. Ich gebe Ihnen Recht bei der Federung und lauf Geräusche des Panasonic Antriebs. Nervig ist das Geklapper des Akkus in der Halterung bei Fahrten über Kopfsteinpflaster. Habe auch öfters bei Belastung ein knacken in der 8 Gang Schaltung. Ansonsten fährt es sich wie ein achtundzwanzig er.

  3. Mittlerweile gibt es ein größer werdendes Angebot der immer beliebteren 20″ Kompakt eBikes. Aktuelle Beispiele:
    – i:sy
    https://www.ebike-news.de/hartje-isy-e-bike-neues-kompaktrad-mit-bosch-antrieb-erschienen/7242/
    – Katu (Orbea)
    https://www.ebike-news.de/neue-e-bikes-fuer-2016-von-orbea/9526/
    – Radius (Winora)
    https://www.ebike-news.de/winora-radikal-umdesignte-e-bikes/9311/

    Diese Räder haben alle ein Gewicht von ca. 22 kg und eine Rahmenform, bei der ein Tragen und Transportieren leichter möglich ist. Der Vorteil geht allerdings oft auf Kosten eines meist höheren Einstiegs.
    Das im kommenden Jahr von Flyer erscheinende, faltbare Pluto hat anscheinend auch eine Tragemöglichkeit bekommen.
    Bei den Tests von ExtraEnergy ist die Transport- und Tragemöglichkeit immer ein wichtiges Kriterium. Die Testberichte sind bei http://www.extraenergy.org kostenfrei abrufbar.

  4. Zur Anmerkung von Herrn Kaunzinger zum Flyer Flogo-E-Bike mit seinem Verweis
    auf andere Angebote am Markt:

    Eine Erhöhung des Einstiegs bzw. Durchstiegs zur Vermeidung eines Halte-/Tragegriffs kommt i.d.R. für Ältere überhaupt nicht in Frage, ist nicht erforderlich und auch nicht die Lösung. Wer auf den tieferen Einstieg angewiesen ist, muss zuerst auf den passenden Rahmen achten und sich dann für die übrigen Komponenten entscheiden. Da zählt u.U. jeder Zentimeter in der Durchstiegshöhe, in der Sattelrohrlänge, Länge des Oberrohrmaßes in Abhängigkeit von der gewünschten moderaten oder sportlichen Haltung des Fahrers und die elektrische Antriebsart. Es ist eben immer eine Frage, für welche Zielgruppe produziert wird, da der extreme Tiefeinsteiger für Ältere meist noch nicht erforderlich ist, wenn gewisse körperliche Einschränkungen bestehen.
    Meines Erachtens fehlen in den E-Bike-Angeboten oftmals geeignetere Komponenten, die auf bestimmte Kunden besser passen. Mittlerweile muss ich feststellen, dass man mit einem Umbausatz und einem individuellen Radaufbau in die gleiche Preisklasse der Fertigräder oder darunter gerät. Und selbst die teuren Fertigräder verfügen dann nicht über alle passenden Komponenten, da sie oft auch zum Endpreis hin konstruiert bzw. ausgestattet sind. Es liegt am Marktangebot, an der Werbung und dem Service (!!!), es z.B. den Älteren “schmackhaft” zu machen, dass sie 10 Jahre länger bequem Radfahren können, was auch mehr kostet und seinen Preis hat. Das beste, was mir im Alter in mobiler Hinsicht passieren konnte ist, dass ich mit meinem E-Bike unter allen Wetter-und Streckenbedingungen unterwegs sein kann, auch wenn der Gegenwind bläst und andere kaum voran kommen.
    Ich bitte um Entschuldigung, dass nicht alle meine Anmerkungen auf das o.g. Rad abzielen und von allgemeiner Natur sind.

  5. Das entsprechende Vorgängermodell verfügte über einen i:Sy-Rahmen mit entsprechend integrierter Tragmöglichkeit. Ein Kompakt-E-Bike für die Stadt muss aber zwingen zum Transport in den Keller oder in die Wohnung einigermassen gut tragbar sein. Auch für das Verladen in den öV ist das entscheiden. D.h. Flyer hat hier unnötigerweise einen dummen und vermeidbaren Konstruktionsfehler eingebaut und sich damit selbst ins Knie geschossen. Ich habe schon an Messeständen und bei Tagen der offenen Türe in Huttwil mit den Leuten von Flyer über solche Details diskutiert, aber der Erfolg hat sie doch sehr beratungsresistent gemacht und das nervt!
    Das Hartje i:SY 2016 Kompakt-E-Bike mit Riemenantrieb und NuVinci N380 ist da die weitaus bessere Wahl. Bis auf die etwas wirre Kabelführung vor dem Lenker lässt sich beim heutigen Stand der Technik kaum noch etwas verbessern. Wie eine wirklich durchdachte Kabelführung, die sich mit einem KlickFix-Korb am Steuerrohr – wo er hingehört und nicht oben an den Lenker – nicht beisst lässt sich beim Falt- uns Kompaktrad-Guru Thomas Lösch aus Schaffhausen nachsehen unter: http://www.velowerk.ch. Wenn sich Hartje da noch von Herr Lösch beraten lässt, kann das 2017er-Modell perfekt werden. Das sollte auch kein Problem sein, da Herr Lösch zum Entwicklerteam von Tern gehört und Hartje eng mit Tern verbunden ist.
    D.h. man hat hier die Wahl zwischen einem prestigeträchtigsten und entsprechend teuren Schweizer Produkt mit einem lästigen, nervenden Konstruktionsfehler und einem unspektakuläreren, aber deutlich besser durchdachten und preiswerteren Deutschen Produkt. Auch als Schweizer würde ich deshalb in diesem Fall das Deutsche Produkt klar vorziehen.
    PS: Ich fahre seit etwas mehr als vier Jahren ein faltbares Gekko fx Liegetrike von HP Velotechnik mit einer Schlumpf HighSpeedDrive Tretlagerschaltung und einer NuVinci N360 Nabenschaltung. Ich bin immer noch bei jeder Fahrt vom sanften, stufenlosen Schalten mit der NuVinci begeistert und habe diese Wahl keine Sekunde bereut. Zusammen mit dem Schlumpf HighSpeedDrive komme ich auf die beim Liegetrike notwendige grössere Bandbreite der Entfaltungen und bin mit satten 900% grosszügig versorgt.
    Mit dem Nachfolgemodell NuVinci N380 und dem Zahnriehmenantrieb hat Hartje eine Superwahl getroffen und das sollten die KäuferInnen belohnen: «Sanft und stufenlos, das gönn ich mir und meinen Kniegelenken!»

  6. Etwas wichtiges habe ich noch vergessen. Das Hartje i:SY 2016 Kompakt-E-Bike mit Riemenantrieb und NuVinci N380 verfügt über Scheibenbremsen, der Flyer Flogo nur über Felgenbremsen. Auch hier punktet Hartje deutlich.

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