HNF-NICOLAI SD1 Test: Langstrecken-Fahrt mit dem Urban e-Bike

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Edel, schnell, puristisch: So macht sich das SD1 Urban e-Bike von HNF-NICOLAI mit Riemenantrieb im Stadt- und Land-Test.

Natürlich bietet HNF-NICOLAI einen besonderen Test- und Lieferservice für ihre e-Bikes direkt vor der eigenen Haustür. Aber, warum das e-Bike nicht für einen Langstrecken-Test direkt beim Hersteller abholen? Daher geht es auf zur Firmenzentrale nach Brandenburg, ins schöne Biesenthal.

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Test SD1 Urban e-Bike von HNF NICOLAI P1000184 SD1 rechts vor parkbänken

Ausstattung und erster Eindruck

In Biesenthal ist Übergabe für ein Aluminium gebürstetes, glänzendes SD1 Urban e-Bike in Größe L/XL. Ganz so puristisch wie auf den Pressebildern gibt es das SD1 allerdings nicht. Wingee Schutzbleche mit integriertem Gepäckträger sind fester Bestandteil des Modells. Auch eine Supernova Beleuchtung ist Teil der Grundausstattung. Aber überzeugte Minimalisten haben die Möglichkeit, die Bauteile für den nackten Look abzubauen.

Warum die Gabel nicht ebenfalls glänzend und Silber ist? Sie ist aus Karbon gefertigt und damit noch leichter und steifer als der übrige Rahmen. Wer es insgesamt ein wenig dezenter bevorzugt, kann den Rahmen auch lackiert, in Beige bestellen.

Test SD1 Urban e-Bike von HNF NICOLAI P1000160 SD1 Sport
Unterstützung bis 25 km/h, schneller aus Muskelkraft

Puristisch geht es weiter. Mit dem Purion bedient man das SD1 mit dem kleinsten der bei Bosch verfügbaren Bedienteile. Dieses sitzt an der linken Lenkerseite, lässt sich problemlos und sicher mit dem Daumen bedienen und zeigt übersichtlich Geschwindigkeit, Unterstützungsstufe und Restkapazität an. Licht und Schiebehilfe werden ebenfalls direkt über das kleine Bedienteil mit den großen Tasten eingeschaltet.

Dank des deutlichen Druckpunkts lassen sich die Unterstützungsstufen gut und sicher auswählen, auch bei grobem Untergrund und ruckelndem Lenker.

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Fahrgefühl auf dem SD1 Urban e-Bike

Schnell gewöhnt man sich allerdings an, groben Untergrund zu meiden und entwickelt einen Vorzug für glatten Asphalt. Nicht nur, weil man mit den schmalen, wenig profilierten Reifen darauf besonders leicht dahingleitet. Sondern auch, weil das SD1 Urban e-Bike sehr straff abgestimmt ist. Die Karbongabel leitet wie der gesamte Rahmen alle Stöße direkt nach oben weiter. Wege mit Kopfsteinpflaster oder von Baumwurzeln aufgewölbte Fahrradwege meidet man daher.

Das Resultat des steifen, präzisen Rahmens und der Steuerung ist dafür ein Fahrgefühl und eine Geschwindigkeit, wie man sie sonst nur von Rennrädern kennt. Schnell, sehr schnell ist man bei und über der Unterstützungsgrenze von 25 km/h. Zwischen 30 und 35 km/h liegt in der Ebene die normale Geschwindigkeit, ganz legal. Das SD1 ist ein Renner, es fällt zu Beginn schwer, die Freude an der Geschwindigkeit zu unterdrücken und sich einfach mal vom Motor schieben zu lassen.

Der Rahmen ist dabei recht kurz gehalten, was für eine im Stadtverkehr hilfreiche, aufrechtere Sitzposition sorgt. Motor und Tretkurbel sind niedrig angesetzt. Dadurch sitzt man insgesamt tiefer und kann an der Ampel auf dem Sattel bleiben. Bei engen Kurvenfahrten ist Vorsicht geboten, um nicht versehentlich mit den Pedalen aufzusetzen.

Die hydraulischen Scheibenbremsen funktionieren sehr verlässlich. Mit ihnen ist für ein sicheres und gut dosierbares Bremsen auch mit Gepäck und in allen Fahrsituationen gesorgt.

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Eigenschaften des Antriebs

Sehr zu empfehlen ist – besonders bei gutem Wetter – die Fahrt nach Berlin. Nach ca. 40 km ist man, um im Urban e-Bike Jargon zu bleiben, von Biesenthal Village nach Downtown Berlin geradelt.

Der Bosch Active Plus Motor bietet in der Verbindung mit Riemenantrieb und Nabenschaltung eine sehr leise, dabei stramme und geschmeidige Einheit. Die Alfine 8 Nabenschaltung ist optimal abgestimmt um auch lange Übersetzungen zu treten. Auch bei leichtem Gefälle bringt man noch Druck auf die Pedale und bewegt sich schnell und flüssig.

Das Schalten erfolgt über zwei Schalter rechts, die bei Daumendruck je einen Gang hoch oder runter schalten. Ein Springen über mehrere Gänge, wie bei Kettenschaltungen möglich, lassen die Komponenten leider nicht zu. Dafür kann man im Stehen, beim Warten auf die nächste Grünphase entspannt in den passenden Gang schalten und hat in Verbindung mit dem Riemen ein sehr leises, langlebiges und wartungsarmes Schaltwerk zur Verfügung.

Die richtige Wahl des Gangs vorausgesetzt ergänzt der Antrieb das Treten wunderbar harmonisch, in allen Fahrsituationen. Der Übergang an der Unterstützungsgrenze von ca. 26,5 km/h ist so gut wie nicht wahrnehmbar.

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Reichweite des Akkus

Die Gesamtreichweite – tja, wo genau liegt sie? Trotz der insgesamt über 90 km langen Testfahrt ist es nicht gelungen, den 500 Wh großen Akku leer zu fahren.

Dabei wurde sogar meist im Turbo Modus gefahren, viel Akku zehrendes Anfahren an Ampeln und mehrfach auch steile Anstiege genommen. Bei Rückgabe stehen aber immer noch 2 von 5 möglichen Balken auf der Anzeige, entsprechend 40% Restkapazität.

Laden ließe sich der gut versteckte und abschließbare Akku aber direkt im Rad über einen Anschluss neben dem Motor. Zum Laden außerhalb des Rades ist er leicht nach oben entnehmbar.

Aussagen zu Reichweiten sind nun generell mit Vorsicht zu beurteilen. In unserem Falle liegt die hohe Reichweite auch daran, dass es ein Vergnügen ist, mit dem SD1 schnell zu fahren. Dies bedeutete im Test meist ein Tempo von 30 km/h und mehr. Wegen der Abregelung bei ca. 26,5 km/h hatten Akku und Motor in dieser Zeit Pause.

Nutzung für verschiedene Anwendungstypen

Das Fahrerprofil ist nicht auf den kinderlosen Hipster beschränkt. Die Möglichkeit, einen Anhänger zu ziehen oder Kindersitze anzubringen, findet in der ausführlichen Anleitung extra Erwähnung. Um Rücksprache mit dem freundlichen, hauseigenen Service wird aber gebeten, eine generelle Freigabe gibt es nicht.

Mit den Wingee Schutzblechen mit integriertem Taschenhalter gibt es dazu die Möglichkeit 2×8 kg Gepäck zu transportieren. Das reicht für Einkäufe, genauso aber auch für das Gepäck für eine e-Bike Tour übers Wochenende.

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Wofür ist das SD1 Urban e-Bike besonders geeignet?

  • sportliche Fahrer und Fahrerinnen
  • als Sport- und Trainingsgerät
  • schnelle Wege durch die Stadt, aber auch zum Einkaufen und für Tagestouren
  • lange Strecken und seltene Lademöglichkeiten

Für welche Anwendung ist es weniger geeignet?

  • Für unebene, holprige, rutschige Untergründe

Was besonders gefallen hat

  • sehr schickes puristische Design und sportliche Rahmen
  • der leise und kräftige Antrieb
  • abschließbarer, leicht nach oben entnehmbarer Akku
  • geringes Gewicht, gut zu tragen für den Transport in die Wohnung
  • praktische Wingee Gepäckträger
  • ausführliche, anschauliche Bedienungsanleitung

Was uns weniger gefallen hat

  • Gänge lassen sich nur einzeln schalten
  • aktive Tretunterbrechung beim Hochschalten nötig

Technische Daten und Infos

  • Hersteller: HNF NICOLAI
  • Modell: SD1 Urban
  • Preis: 3.590 Euro
  • Material: Aluminium, Gabel aus Karbon
  • Gewicht (incl. Akku): ca. 21 kg
  • Gewicht Akku: 2,8 kg
  • Zulässiges Gesamtgewicht: 110 kg
  • Motor und Antrieb: Bosch Active Line Plus
  • Bedienteil: Purion
  • Akku: Bosch PowerTube 36V, 500 Wh, Ladezeit (lt. Anleitung) 4,5 Std
  • Schaltung: Shimano Alfine 8-Gang
  • Bremsen: Magura MT4, 180 mm
  • Sattel: Selle Royal Essenza Moderate Men
  • Beleuchtung: Supernova E-Bike V521s, Supernova E3 Tail light
  • Anbauten: Wingee Gepäckträger, jede Seite mit max. 8kg Zuladung

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Fazit

Ein tolles, ein schnelles Rad. Was aussieht wie ein Urban e-Bike fühlt sich fast an wie ein Rennrad. Die leise und bestens abgestimmte elektrische Unterstützung erfreut zusammen mit der Alfine Nabenschaltung beim Anfahren wie bei steilen Anstiegen. Und darüber hinaus – einfach laufen lassen, gleiten, im Flow bleiben.

Wege mit Baumwurzeln, Kopfsteinpflaster und Ähnlichem sind dabei allerdings besser zu umfahren. Bestehende Reichweitenangst kann man mit diesem Gefährt sehr gut therapieren.

4 KOMMENTARE

  1. Ich finde das Rad, angesichts des leichten Rahmens, der Karbongabel und der fehlenden Ausstattung recht schwer.

    • Die 21kg beziehen sich auf das Fahrrad mit Schutzblechen, Beleuchtung, Gepäckträger und Pedalen. Weniger lässt sich in Verbindung mit dieser Motor und Akku Kombination kaum realisieren.

  2. Totaler Schwachsinn ,ein bretthartes e bike .
    Und der Verweis auf Rennrädern , bei Rennrädern setzt man seit Jahren auf Komfort .
    Scheint bei diesem Hersteller noch nicht angekommen zu sein .

    • Ein hart abgestimmter Rahmen, der sehr verwindungssteif ist, ist von vielen Fahrern gewollt. Das sieht man an dem riesigen Angebot an solchen Fahrrädern. Die werden auch gekauft und nicht nur hergestellt. Vielen Fahrern geht es um Vortrieb ohne „Wenn und Aber“. Ob das Bikekonzept „Schwachsinn“ ist, sollte man mit dem eigenen Hintern erfahren und individuell beurteilen.

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